Leben & Erziehen | 06/2026

Guck an

Unser Gastautor freut sich jedes Jahr auf den Italien-Urlaub. Allerdings stößt dem Augenarzt immer eine Sache auf: Kinder, die keine Sonnenbrille tragen. Warum der Augenschutz so wichtig ist, erklärt er hier.

Mittagszeit, die Sonne steht hoch über dem Strand von Jesolo. Es riecht nach Pommes, Meer und Sonnencreme. Während Kinder am Wasser planschen, entspannen ihre Eltern auf den Sonnenliegen. Endlich Urlaub! Auch ich schaue zufrieden auf das Treiben um mich herum. Aber ich kann es nicht lassen – natürlich mit dem Blick des Augenarztes. Und was ich sehe, gefällt mir gar nicht.

Die Erwachsenen tragen Strohhüte, Caps, UV-Shirts und natürlich stylische Sonnenbrillen, teils mit verspiegelten oder polarisierten Gläsern. Neben ihnen, im heißen Sand, bauen die Bambini Sandburgen, spielen mit Murmeln, spritzen mit Wasserpistolen oder sortieren Muscheln. Die meisten von ihnen ohne Hut, ohne Kappe und ohne Sonnenbrille. Sie kneifen die Augen zusammen, weil das Sonnenlicht vom Wasser zusätzlich reflektiert wird.

Manche von ihnen hatten am Morgen, auf dem Weg vom Hotel zum Strand, noch eine Sonnenbrille auf. Jetzt liegt sie längst in der Strandtasche, vergraben unter Handtüchern. „Mama, die stört.“ „Die rutscht.“ „Ich sehe doch nichts!“ – und schon ist sie weg.

Über Jahre sammeln sich Lichtschäden an

Während manche Eltern sogar mit Sonnenbrille ins Wasser gehen, bleiben die Augen ihrer Kinder oft stundenlang ungeschützt. Aber Sonnenstrahlen können nicht nur die Haut schädigen, sondern auch die Augen. Diese sammeln – anders als bei einem Sonnenbrand – unbemerkt Lichtschäden über Jahre hinweg. Man sieht es zuerst nicht. Man merkt es zunächst nicht. Und deshalb ist es so gefährlich.

Bei Kindern ist der Eigenschutz der Augen noch nicht vollständig ausgebildet, sie sind sehr empfindlich. Die Lider sind straffer und die Augenspalte somit größer als bei Erwachsenen. Die Linse ist klarer und lässt mehr UV-Strahlung bis in tiefere, hintere Augenabschnitte durch. Die schädigenden Strahlen fallen deshalb ungehindert auf die Netzhaut und können dort großen Schaden anrichten. Studien zeigen, dass Kinder und Jugendliche einen erheblichen Anteil der UV-Strahlung, der sie ein Leben lang ausgesetzt sind, in den ersten zwei Lebensjahrzehnten sammeln.

Sind die Augen von klein auf einer zu starken Sonnenstrahlung ausgesetzt, kann es zu Bindehautveränderungen sowie Hornhaut- und Netzhautschädigungen kommen. Die Folge sind Sehbeeinträchtigungen. Auch für Grauen Star und Makuladegeneration gilt UV-Licht als Risikofaktor.

Der 5-Punkte-Check für den Sonnenbrillen-Kauf

Nicht jede Sonnenbrille schützt die Augen gleich gut. Für Kinder sind diese fünf Kriterien besonders wichtig:

1. UV-Schutz: Die Brille sollte einen 100-prozentigen UV-Schutz lie­fern, das heisst alle UV-Strahlen bis zu einer Wellenlänge von 400 Nanometern herausfiltern (,,UV-400″). Nur so werden UVA- und UVB-Strahlen zuverlässig blockiert. Brillen, die allein das europäische CE-Zeichen tragen, bieten nur einen UV-Schutz bis 380 nm.

2. Tönung: Für den Alltag reicht meist Filterkategorie 2. Am Strand oder im Süden empfiehlt sich Kategorie 3, da sie stärker gegen Blendung schützt

3. Gläser: Gut, wenn von oben und von der Seite kein Licht ins Auge fallt. Daher große oder leicht gebogene Gläser wählen.

4. Material: Bruchfeste Kunststoffglaser halten beim Toben am besten.

5. Passform: Die Brille soll bequem sitzen, darf nicht rutschen oder drucken

Die Brille muss mit

Gerade wenn Eltern mit ihren Kindern am Meer oder auch im Gebirge unter­wegs sind. muss eine Sonnenbrille mit. Wasser, Sand und Schnee reflektieren das Sonnenlicht und verstärken die Strahlen noch. Sind die Augen nicht geschützt, kann das sogar zu einer akuten Schädigung, einer Art Sonnenbrand im Auge führen: Die Augen sind dann abends gerötet, gereizt, schmerzen und tränen. Das geht wieder vorbei, verdeutlicht jedoch die unmittelbare Wirkung von UV-Strahlung.

Klar. Sonnenlicht ist grundsätzlich wichtig für den Körper, etwa für die Vitamin-D-Bildung, und kann Kurzsichtigkeit bei Kindern entgegenwirken, wie Studien zeigen. Dieser Schutzeffekt wird aber durch moderates Tageslicht im Freien erreicht, nicht durch starke Sonnenstrahlung in der Mittagszeit am Strand. Mehr Licht be­deulet also nicht automatisch mehr Schutz. Kinder sollen natürlich drau­ßen spielen – aber bei intensiver, direkter UV-Strahlung immer mit Sonnenschutz.

Was macht eine gute Brille aus?

Schon Babys sollten eine Sonnenbrille tragen (auch wenn die Allerkleinsten eigentlieh nicht in die direkte Sonne gehö­ren). Ein gutes Kindermodell sollte ei­nen vollständigen UV-Schutz besitzen und ausreichend große Glaser haben, damit auch seitlich einfallendes Licht reduziert wird. Weil kindliche Köpfe und Nasen noch nicht so markant ausgebildet sind wie die von Erwachsenen, müssen Brillen in der Regel individuell angepasst werden. Das ist wichtig, damit sie nicht drücken und beim Toben sicher sitzen. Und: Damit Kinder ihre Brille gerne tragen,  sie nicht als Zwang empfinden, ist es wichtig, dass sie ihnen gefallt. Die Kinder sollten also nach einer Vorauswahl selbst entschei­den dürfen. Dann wird die Brille am nächsten Badetag nicht in der Strandtasche unter den Handtüchern vergraben sein, sondern dort sitzen. wo sie hinge­hört – auf der kleinen Nase.

Schon gewusst? Der richtige Filter

Gläser für Sonnenbrillen werden in fünf Filterkategorien (von 0 mit wenig Tönung bis 5 mit sehr dunkler Tönung) eingeteilt. Filterkategorie 3 (hohe Tönung mit 80 bis 90 Prozent Lichtabsorption) garantiert einen guten Schutz an sehr sonnigen Tagen auch bei reflektierendem Licht am Strand. Wichtig: Die Tönung der Glaser sagt nichts über den UV-Schutz aus. Eine Sonnenbrille mit sehr dunklen Glasern suggeriert dem Auge ein Umfeld mit wenig Licht. Die Folge ist, dass sich de Pupille weitet um viel Licht aufzunehmen, um eine gute Sicht zu ermöglichen. Bei billigen Glasern ohne UV-Schutz treffen die Strahlen wegen der vergrößerten Pupille vermehrt und ungehindert auf die Netzhaut Beim Kauf daher immer auf die Aufschrift „UV-400“ achten. Spezicll für Kinder sollten die Gläser braun oder grau getönt sein, damit die Minis alle Signalfarben richtig wahrnehmen können. Gelb- und Grüntöne könnten dagegen die Farbwahrnehmung verfälschen.

Text: Andreas F. Borkenstein